vor 50 Mill.Jahren
Über Papageien
Die Entdeckung
Erste Beschreibung
Ein Idealbild
Anschaffung
ein paar Futtertips
Die Geschichte des Wellensittichs
|
Seit ewigen Zeiten leben Wirbeltiere auf unserem Planeten, unter anderm auch Papageien.
Vor 70 Millionen Jahren, am Ende der Kreidezeit, entstanden die ersten vogelähnlichen Lebewesen, aus denen später auch die Papageien hervorgingen.
Auch in Europa gab es vor 50 Millionen Jahren Papageien. Fossile Funde von 1870 in Frankreich und 1976 / 77 im Süden Englands belegen das. Die Arten haben sich allerdings zumeist in tropische und subtropische Zonen, wie etwa Mittel - und Südamerika, der Karibik, Afrika, Australien und den Pazifischen Inseln zurückgezogen, so daß auf unserem Kontinent eigentlich keine dieser Vögel mehr in freier Wildbahn leben.
Eine Ausnahme bilden aber entflogene Halsbandsittiche in Köln und anderen Städten, die sich seit einigen Jahren erfolgreich vermehren.
|
 |
Einige Arten haben sich an die zum Teil scheinbar unwirtlichen Bedingungen gut angepasst. Das wird zum Beispiel durch die Keas in Neuseeland oder dem Chinasittich in Tibet verdeutlicht, die bis in große Höhen vorkommen. Am bekanntesten dürfte dabei der Kea sein, der mit seinen lustigen Spielen auf den schneebedeckten Hängen Neusee- lands die Menschen immer wieder in Erstaunen versetzt
Die meisten der über 300 Papageienarten leben hoch oben auf Bäumen, wo sie sich hauptsächlich von Früchten, Blüten und Samenständen ernähren. Aber auch hier gilt: Keine Regel ohne Ausnahme. So hat sich der Kakapo (oder Eulenpapagei) ebenfalls auf Neuseeland, perfekt den Boden als Lebensraum erobert, wo er als nachtaktiver Vogel heute allerdings ein eher schlechtes Leben fristet.
|
zum Seitenanfang

Seite 2 |

Europäische Siedler brachten in der Vergangenheit ihre Haustiere wie Ziegen oder Katzen mit und ließen sie verwildern. Diese haben sich unter den für sie günstigen Bedingungen rasant vermehrt und den Lebensraum der spezialisierten Papageien zu Eigen gemacht. Die Kakapos sind dadurch zur Beute geworden und heute in ihrem Bestand vom Aussterben bedroht.
Unter den Papageien halten die Loris eine andere besondere Stellung. Die meisten von ihnen haben sich auf eine besondere Nahrung spezialisiert. Mit Hilfe ihrer Pinselzunge lecken sie den Pollen oder Nektar aus Blüten. Das Verbreitungsgebiet der kleinen bis mittelgroßen und wohl farbenprächtigsten Vögel sind die Pazifikinseln, Australien und Neuguinea.
Zu den größten Vertreter der Papageien zählen mit bis zu einem Meter Körperlänge ohne Zweifel die Aras, und zu den kleinsten, mit einer Länge von nur 10 bis 12 cm, die Sperlings und Spechtpapageien.
|
 |

Eine Besonderheit bei allen Vertretern der Psittaciden ist ihr Schnabel. Der kräftige, gebogene Oberschnabel reicht bis über den Unterschnabel und umschließt diesen. Nur nach ihrer Ernährungsform haben einige einen eher spitzen, andere dagegen einen harmonisch abgerundeten Oberschnabel. Eines haben aber alle Papageien gemeinsam. Sie benutzen den Schnabel beim Klettern als dritten Fuß.
In diese Gruppe von Vögeln gehört auch unser so beliebter Wellensittich. Seine eigentliche Heimat ist Australien, wo er in großen Schwärmen ein nomadisches Leben führt und fast überall anzutreffen ist.
|
zum Seitenanfang

Seite 3 |

Es ist heute etwas über 200 Jahre her, daß sich zwei britische Forscher George Shaw und Frederick P. Nodder im Jahr 1800 zu einer Reise in das Innere Australiens zusammen taten.
Obwohl britische Zwangsbesiedler, ehemalige Strafgefangene, sowie freiwillige "Eroberer" sich an der bunten Vogelwelt erfreuten und auch zahme Tiere in kleinen Käfigen hielten, worunter sich sicherlich auch Wellensittiche befanden, gelten die beiden Forscher als die Entdecker dieses lustigen Vogels.
Auf ihrer Reise fielen ihnen in den weiten Grasebenen große Schwärme kleiner grüner Papageien auf. Damit war der Wellensittich in seiner natürlichen Umgebung gefunden.
Die Vögel sind fast über den ganzen Kontinent verbreitet und unternehmen weite Wanderungen auf der Suche nach Nahrung und Wasser. Finden sie dann irgendwo günstige Lebensbedingungen, können sie fast wie auf Bestellung brüten.
|
 |

Viele Vögel sind an einen natürlichen Zyklus und gewisse Schlüsselreize, wie zunehmende Licht- und Wärmeintensität, gebunden, um in Brutstimmung zu kommen. Nicht so der Wellensittich. Sitzen sie gerade noch in kleinen Gruppen in den Zweigen der Bäume und verhalten sich relativ ruhig, ändert sich das Bild nach wenigen Tagen, wenn ausgiebige Regenfälle die trockene Grassteppe in ein grünendes Land verwandeln. Dann fangen sie an zu balzen und legen ihr, das uns so vertraute, lebhafte Benehmen an den Tag. Bereits nach kurzer Zeit beginnt die Eiablage.
Die Neigung zur Gesellschaftsbrut scheint von großer Bedeutung für die schnelle Brutfähigkeit zu sein, weil Balz- und Brutverhalten eine stimulierende Wirkung auf den ganzen Schwarm ausübt. Möglicherweise ist das auch der Grund, daß die Brut von einzeln gehaltenen Paaren nur selten gelingt.
|
zum Seitenanfang

Seite 4 |

Durch seine enorme Fruchtbarkeit ist der Wellensittich in der Lage große Verluste, wie sie durch Dürreperioden immer wieder auftreten, auszugleichen. Bis zu zwanzig Nachkommen können von einem Paar im Jahr aufgezogen werden. Bereits im Alter von fünf Monaten sind die jungen Wellensittiche ihrerseits in der Lage, für Nachwuchs zu sorgen.
Im Jahre 1805 beschrieb George Shaw den Vogel ein erstes Mal. Eine vollständige Wissenschaftliche Beschreibung wurde dann durch den berühmten Naturforscher John Gould veröffentlicht. Er brachte 1840 die ersten lebenden Wellensittiche mit nach Europa. Die lateinische Bezeichnung "Melopsittacus undulatus" stammt aus seiner Feder. Mit der Zeit trafen immer größere Mengen von diesen lustigen Vögeln in Europa ein. Anfängliche Nahrungsprobleme wurden zur Nebensache, als man erkannte, daß sich der kleine Papagei leicht an Glanz, Hirse und Hafer gewöhnen läßt.
|
 |

Im Jahre 1855 gelang dann der Gräfin von Schwerin in Berlin die erste deutsche Nachzucht und um 1860 war der Vogel bereits in allen Zoologischen Gärten Deutschlands vertreten.
1872 traten die ersten gelben und um 1878 die himmelblauen Mutationen auf. Sie waren allerdings erst 1910 in ihrem Bestand gesichert und sorgten auf einer Londoner Ausstellung für große Bewunderung.
Seine leichte Züchtbarkeit, sein Talent Geräusche wie die menschliche Stimme nachzuahmen, sowie sein lustiges Wesen sorgten bald dafür, daß sich der Wellensittich rasch in ganz Europas Stuben verbreitete.
In der folgenden Zeit traten dann weitere Farbschläge auf, die ihrerseits dafür sorgten, daß der Wellensittich auch zu einem Schauvogel wurde.
|
zum Seitenanfang

Seite 5 |

Verschiedene Züchterorganisationen gründeten sich in der Folge in Europa, so auch 1936 der "Deutsche Wellensittich Züchterverband". Die Mitglieder orientierten sich nicht mehr nur an der Farbe sondern auch am Typ. In dieser Hinsicht zeigten sich ebenfalls bald deutliche Veränderungen. So gewann der Vogel insgesamt an Größe. Heute gezüchtete Schau-Wellensittiche sollten mindestens 22 cm von der Kopfkrone bis zur Schwanzspitze messen.
Die Züchter schufen sich ein so genanntes Idealbild. Nach diesem müssen die Vögel im Typ kräftig und gedrungen, die Körperhaltung in harmonischen Rundungen, Schulter und Hals breit, bei gerader Rückenlinie und die Brust in einer eleganten Kurve vorgewölbt sein. Der Schwanz soll als Verlängerung der Körperachse getragen werden und die Flügel müssen gut anliegend, nicht gekreuzt oder hängend sein.
|
 |

Diese Eigenschaften den Vögeln anzuzüchten geht nur durch eine gezielte Auswahl der besten Tiere zur Zucht.
Die Grundlagen für solch eine gezielte Zucht faßte Dr. Hans Duncker bereits 1929 in einem Buch zusammen. In vielen Jahren eifrigen Studiums erforschte er die Vererbung der Wellensittiche. Befreundete Züchter lieferten ihm zusätzliche Ergebnisse die auch dazu beitrugen, daß wir noch heute auf diese Vererbungslehre zurückgreifen können. Den Züchtern wurde damit ein Instrument in die Hand gegeben, daß es ihnen erlaubte ganz bestimmte Farben zu züchten.
Seit der Wellensittich einem Publikum gezeigt wird, versetzt er dieses, bis auf den heutigen Tag, immer wieder in Erstaunen, mit seiner Fähigkeit, verschiedene Geräusche nachzuahmen.
|
zum Seitenanfang

Seite 6 |

Seinen Namen Sprechkünstler hat er also nicht umsonst bekommen. Es ist aber ein großer Trugschluss zu glauben, es könne jeder Wellensittich, oder nur die männlichen Tiere sprechen lernen. Wie überall gibt es auch hier Ausnahmen. Manche lernen es nie, andere wiederum, auch weibliche oder ältere Tiere, scheinen wie geschaffen dafür zu sein. Es gehört auf alle Fälle eine gehörige Portion Geduld dazu, einen Wellensittich wirklich zahm und zum sprechen zu bringen.
Wenn Sie nun die Absicht haben, sich einen oder auch mehrere dieser lustigen Gesellen anzuschaffen, wäre zuerst einmal zu klären, wie und wo der neue Hausgenosse untergebracht werden soll. Ein heller, nicht der prallen Sonne ausgesetzter Standort trägt viel zu seinem Wohlbefinden bei. Küche und Bad sind dabei wegen der dort lauernden Gefahren eher ungeeignet
|
 |

Der Käfig sollte eventuell lieber zu groß als zu klein sein und die Sitzstangen nach Möglichkeit so angeordnet, daß die Vögel sie nicht durch springen sondern durch fliegen erreichen. Der tägliche Ausflug, nach einer gewissen Eingewöhnungszeit, ist ein unbedingtes Muß, um Ihren Liebling fit zu halten.
Hat er erst einmal Vertrauen zu Ihnen und seiner neuen Umgebung gefaßt, geht alles andere ziemlich schnell. Als geselliger Schwarmvogel hat er Sie nun als Ersatzpartner anerkannt und wird Ihnen bald überall hin folgen. Leider auch auf den Balkon oder ans offene Fenster. Als Nomade, was er nun einmal ist, hat er in der plötzlich neuen Umgebung möglicherweise keinen Bezug mehr zu seinem Heim. Die meisten entflogenen Wellensittiche gehen nach kurzer Zeit zu Grunde. Nur wenige finden, oft völlig entkräftet, ein neues zu Hause.
|
zum Seitenanfang

Seite 7 |

Aber auch geschlossene Fenster sind eine Gefahr für Vögel. Sie können nicht erkennen, daß die durchsichtige Scheibe ein Hindernis ist und fliegen mit voller Wucht dagegen. Ein Genickbruch kann die unmittelbare Folge sein. Gardinen sind hier eine sehr nützliche Sache, auch wenn es nicht jeder Hausfrau gefällt, das Bubi darin schaukelt.
Unbeaufsichtigt soll sich der Vogel möglichst immer in seinem Käfig befinden. Leicht kann er sich nämlich bei seinen neugierigen Erkundungen verletzen oder hinter einem Schrank einklemmen.
Sein Futter und auch Leckerbissen dürfen nach Möglichkeit nur im Käfig angeboten werden. Mit diesem Trick können Sie übrigens Tiere, die nicht so zahm sind und vor der ausgestreckten Hand fliehen, wieder in den Käfig locken
|
 |

Auf welches Futter sie besonders stehen, bekommen Sie durch Beobachtung und ein paar Versuche leicht selbst heraus. Kolbenhirse oder etwas Grünes scheint für alle Vögel eine Leckerei zu sein.
Handelsübliches Körnerfutter stellt die Hauptnahrungsquelle dar. Sehr wichtig sind aber auch Minerale und Vitamine. Frische Petersilie, Kopfsalat, Löwenzahn, Gräser und ähnliches sind eine willkommene Beilage, genauso wie Obst. Ein Kalkstein sollte sich ebenso in jedem Käfig befinden.
Mit diesen Hinweisen wünsche ich Ihnen viel Glück und recht lange Freude an Ihrem Sprechkünstler Wellensittich.
|
| Quellen: |
Theo Vins - "Leitfaden für die Schauwellensittichzucht"
Anette Wolter - "Wellensittiche - Anschaffung, Pflege, Eingewöhnung"
Manfred Rink - "Leitfaden für Zucht und Haltung von Wellensittichen"
"WP - Magazin" |
zum Seitenanfang
|
|